„Heile, heile Gänsje“. „Humba Täterä“. Zwei Lieder, die in Mainz jeder kennt und die weit über die Stadtgrenzen hinaus zum kulturellen Gedächtnis der Nachkriegszeit gehören. Was die wenigsten wissen: Der Mann, der sie gesungen hat, war Ritter.
36 Jahre in der Moguntia
Ernst Neger (1909–1989) gehörte 36 Jahrungen lang als „Rt Negus der Daag- und Nachtdecker“ der Schlaraffia Moguntia an, bevor er den Bund vier Jahre vor seinem Tod verließ. Der Ehrenname ist ein schlaraffisches Wortspiel auf seinen bürgerlichen Beruf: Neger war Dachdeckermeister — und der „Negus“ war der Kaisertitel von Abessinien.
Er starb am 15. Januar 1989 in seiner Geburtsstadt Mainz, nur einen Tag nach seinem 80. Geburtstag.
Die Gedenksippung a. U. 155
Zum 25. Todestag hat die Moguntia im Januar 2014 in der Gutenbergburg eine Gedenksippung abgehalten. Rund 65 Sassen kamen zusammen, viele davon eigens aus anderen Reychen angereist, und jeder durfte mit eigenen Fechsungen und Vorträgen zum Thema beitragen. Der Oberschlaraffe des Inneren, Rt Arnd Brummer, fasste in seiner Eröffnungsrede zusammen, warum ausgerechnet dieser Sasse unvergessen ist: Rt Negus habe „die schlaraffischen Ideale von Freundschaft und Humor durch Kunst und Schabernack nach außen getragen“ und damit den Menschen in der Nachkriegszeit neue Hoffnung geschenkt.
Der Gießener Rt Ebigon erzählte vom denkwürdigen Besuch Ernst Negers bei den Gießener Schlaraffen Anfang der sechziger Jahre, als er gemeinsam mit Toni Hämmerle das damals noch unveröffentlichte „Humba Täterä“ zum Besten gab. Den Höhepunkt des Abends aber bildete eine alte 78er Schellackplatte mit einem von Ernst Neger selbst gesungenen „Heile, heile Gänsje“. Da musste dann selbst der eine oder andere Ritter eine Träne verdrücken.
Warum das zusammenpasst
Schlaraffia kennt drei Maxime: Kunst, Humor und Freundschaft. Politik, Wirtschaft und Religion bleiben vor der Burgpforte. Wer einen Menschen sucht, der diese drei Dinge sein Leben lang zusammengehalten hat, landet in Mainz schnell bei Ernst Neger — einem Handwerksmeister, der zum Sänger wurde, und einem Sänger, der Handwerksmeister blieb.
Quellen
- René Welter: Für immer ein Platz im Fastnachts-Olymp. Allgemeine Zeitung Mainz vom 18. Januar 2014, Seite 16 — Bericht über die Gedenksippung in der Gutenbergburg.
- Allgemeine Zeitung Mainz vom 14. Januar 2020, Seite 11 — zum 111. Jahrestag seiner Geburt, mit Erwähnung seiner Mitgliedschaft in der Moguntia.