Das Gutenberg-Reych — die Geschichte der Moguntia
Am 7. Oktober 1882 setzten sich in einem Mainzer Kaffeehaus vier Männer zusammen, unter ihnen ein Schauspieler und ein Opernsänger, und riefen eine Colonie aus. Sieben Wochen später stand der Rhein 7,95 Meter hoch, und das junge Reych sammelte Geld für seine überschwemmte Stadt. Was daraus wurde, ist die Geschichte eines Reyches, das sich selbst das Gutenberg-Reych nennt — weil Johannes Gutenberg sein erster Ehrenschlaraffe ist.
Das Reych auf einen Blick
MOGUNTIA (45) — Mainz am Rhein, Deutschland
Reychsfarben: Rot-Weiß
Gegründet: 7. Lethemond a. U. 23 — der 7. Oktober 1882
Mutterreych: Colonia Agrippina (8), Köln
Ein Wort zum Namen: Geführt wird das Reych als Moguntia. Die ältere, festlichere Form Moguntia Aurea — die goldene Moguntia — steht in den historischen Unterlagen und in vielen Zitaten der Chronik. Sie ist die geschichtliche Form, nicht der geführte Name: Der Antrag, wieder „Aurea Moguntia“ führen zu dürfen, wurde a. U. 148/149 abgelehnt. Auf dieser Seite heißt das Reych deshalb durchgehend Moguntia.
Ein Wort zur Zeitrechnung: Schlaraffen zählen die Jahre ante Uhui — a. U. — von der Gründung der Allmutter Praga im Jahr 1859 an, und sie haben eigene Monatsnamen. Beides wird im Folgenden bei der ersten Erwähnung übersetzt.
7. Oktober 1882 — eine Theatersaison, ein Kaffeehaus, ein Reych
Die Mainzer Theatersaison 1882/83 brachte zwei Männer zusammen, die sich schon kannten: den Schauspieler Fritz Hitziggath und den Opernsänger Hermann Pfeiffer. Beide hatten, so überliefert es die Chronik des Reyches, in Nürnberg einem der Schlaraffia ähnlichen Bund angehört, den „Rittern von der Pegnitz“. Hitziggath war fahrender Ritter der hohen Colonia Agrippina und trug den Titul Schneidertödter von der Pegnitz; Pfeiffer wurde als Wolfram der Erhabene Erzschlaraffe des neuen Reyches.
Am 7. Oktober 1882 saßen sie mit zwei weiteren Rittern im Café Schard in der Dominikanerstraße zur ersten Schlaraffensitzung. Schneidertödter wurde Oberschlaraffe pro tempore, man übte Schlaraffenlieder, und am Ende des Abends war die Colonie ausgerufen. Die Landeshauptstadt Mainz führt dieses Datum bis heute in ihrem Vereinsverzeichnis als Gründungstag.
In der zweiten großen Sippung am 10. Oktober wurden Wappen, Helm und Bandelier beschlossen — in Rot und Weiß, den Farben des alten Kurmainz. Das ist keine Willkür: Das silberne Rad auf rotem Grund war seit dem dreizehnten Jahrhundert das Zeichen des Mainzer Erzstifts und Kurstaates, und Weiß und Rot sind die Farben der Stadt bis heute.
Die Gründungs-Festsippung folgte am 16. Oktober im Hotel „Rheinischer Hof“. Der Oberschlaraffe des Mutterreyches schlug siebzehn Erzschlaraffen zu Rittern, vier zu Junkern, vier zu Knappen. Fünf der siebzehn Ritter gehörten der Mainzer Bühne an, zwei der vier Junker ebenfalls, der dritte Knappe war Opernsänger. Wolfram widmete dem jungen Reych das Lied „Auf, auf Ihr Schlaraffen“. Zehn Tage später kamen acht weitere Ritter hinzu, zwei davon wieder Schauspieler.
Die Stadt, in der das geschah, trug schon mehrere Schichten: Kurmainz mit dem silbernen Rad, die „Mainzer Republik“ von 1793, die am 18. März ausgerufen wurde und am 23. Juli kapitulierte, und die reformierte Fastnacht, deren Carneval-Verein 1838 gegründet wurde und im selben Februar seinen ersten Rosenmontagszug führte. Das Theater, aus dem die Gründer kamen, stand seit 1833 am Gutenbergplatz — ein Bau Georg Mollers, und vor ihm seit 1837 Thorvaldsens Gutenberg-Denkmal.
Die Stadt war in diesen Jahren eine einzige Baustelle: von 56.400 Einwohnern 1875 wuchs sie auf 84.251 im Jahr 1900, das Gartenfeld wurde zur Neustadt, 1884 eröffneten Centralbahnhof, Südbahnhof und Stadthalle, und 1885 erhielt Mainz erstmals seit fast anderthalb Jahrtausenden wieder eine feste Brücke über den Rhein.
Sieben Wochen später: das Wasser
Am 28. November 1882 stand der Rhein bei Mainz 7,95 Meter hoch. Es war der höchste eisfreie Wasserstand, der im neunzehnten Jahrhundert an diesem Pegel gemessen wurde, und seit Beginn der Aufzeichnungen der zweithöchste überhaupt. Altstadt und Neustadt standen unter Wasser, man fuhr mit Booten durch die Straßen und reichte Vorräte in die oberen Stockwerke. An der Rheinstraße am Fischtorplatz steht dafür bis heute eine Hochwassersäule.
Das Reych war sieben Wochen alt. Schon Nummer 61 der Zeyttungen brachte einen Bericht von der Verwüstung; die Moguntia rief zu Spenden auf, und es kam Geld aus der Berolina, der Hammonia, der Wiesbadensia, der Wormatia und der Hannovera. Ein Reych, das noch keine eigene Burg hatte, sammelte für seine Stadt.
Ein musisches Reych — 90 Schauspieler, 49 Opernsänger
Zum zwanzigsten Stiftungsfest zählte Ritter Boles die ersten zwanzig Jahrungen durch: Von 240 Sassen waren 90 Schauspieler, 49 Opernsänger und 19 Kapellmeister, Pianisten oder Musici. Zwei Drittel des Reyches lebten von der Kunst. Die Chronik schließt den Absatz mit drei Worten: „Wahrlich, ein musisches Reych!“

Zwei Namen dieser Reihe kennt man in Deutschland noch heute, wenn auch nicht als Schlaraffen. Jocus war der 1858 in Mainz geborene Carl Laufs, Saphir der 1855 in Mainz geborene Wilhelm Jacoby. 1889 schrieben die beiden nach einer Idee Jacobys die Posse „Pension Schöller“, die 1890 in Berlin uraufgeführt wurde und seither auf deutschen Bühnen nicht abgesetzt worden ist. Beide waren Mainzer Fastnachter; Jacoby war von 1884 bis 1889 Präsident des Mainzer Carneval-Vereins. Die ganze Geschichte auf einer eigenen Seite.
Auch Hans Pfitzner erscheint in der Chronik als Sasse, unter dem Titul Pitsch; er wurde 1894 als Dirigent an das Mainzer Theater berufen. Sein Schlaraffentum gab er nach der Überlieferung des Reyches später in Berlin freiwillig auf.
Die tragende Gestalt der Frühzeit aber war ein anderer. Gründer Schneidertödter bestimmte den Junker Max sofort nach dem Ritterschlag zum Oberritter, weil er seine Befähigung erkannte. Als Herrlichkeit Kreon der Improvisator wurde dieser die Säule des Reyches, und die Zeyttungen brachten später sein Bild mit der Unterschrift „Der Oberschlaraffe wie er sein soll“. Am 9. Erntemond a. U. 50 — Erntemond ist der August — ritt Fürst Kreon gen Ahall.
Das Gutenberg-Reych
Um die Jahrhundertwende feierte Mainz seinen berühmtesten Sohn. Zum Johannistag 1900 beging die Stadt den 500. Geburtstag Johannes Gutenbergs und beschloss zugleich, ein Gutenberg-Museum einzurichten und eine Gutenberg-Gesellschaft zu seiner Unterstützung zu gründen; am 23. Juni 1901 wurde das Museum eröffnet.
In genau diese Jahrungen fällt der Beschluss, den das Reych zu seinem Kennzeichen gemacht hat: Johannes Gensfleisch zu Gutenberg wurde erster Ehrenschlaraffe der Moguntia — ES Gensfleisch der Schwarzkünstler. Die Chronik nennt a. U. 40/41; der Chroniktext der Archivdatenbank datiert den endgültigen Beschluss auf a. U. 40 und nennt als Auftakt die große Kunz-feyer vom 13. und 14. November 1897, mit der das Reych sein fünfzehntes Stiftungsfest und seine 400. Sippung beging.
Von da an nannte sich das Reych das Gutenberg-Reych. Seine Burg trägt den Namen. Und seit a. U. 130/131 richtet es das Gutenberg-Turney aus, alle fünf Jahrungen — a. U. 151/152 etwa unter dem Titel „Druck auf dem 50. Breitengrad“.
Die Ehrenschlaraffen — eine Mainzer Ahnenreihe
Nach Gutenberg hat die Moguntia ihre Ehrenschlaraffen fast durchweg dort gesucht, wo auch ihre Stadt ihre Toten ehrt: Albert Lortzing als ES Stadinger der Liederreiche, den Minnesänger Heinrich von Meißen, genannt Frauenlob, dessen Grabstein im Kreuzgang des Mainzer Domes liegt, den in Mainz geborenen und gestorbenen Peter Cornelius als ES Abul Hassan der Liederfrohe, Carl Zuckmayer als ES Zuck vom fröhlichen Weinberg, den Kabarettisten Fred Endrikat als ES Archeviech vom Pütt und zum 125. Stiftungsfest noch Ludwig Kalisch als ES Ritter Freiheit und Franz Thomé, den Gründer Schlaraffias, als ES Carl der Gründer.
Eine Ahnenreihe, die zugleich eine Führung durch Mainz ist — mit Lebensdaten und Mainzer Spuren auf der eigenen Seite.
15. Hornung a. U. 78 — die letzte Sippung
A. U. 74/75 mussten viele Sassen „freiwillig“ austreten. Am 13. Lethemond a. U. 74 — Lethemond ist der Oktober — wurde ein Auflösungsantrag eingebracht; die Moguntia sippte trotzdem weiter, drei Jahrungen lang.
Am 15. Hornung a. U. 78 — Hornung ist der Februar, das Datum also der 15. Februar 1937 —, in der 1460. Sippung, sprach Erbschlaraffe Imprimatur die Worte, die die Chronik überliefert: „Ritter Marschall rühret das Tam-Tam — die letzte Sippung ist geschlossen — das Reych Moguntia ist nicht mehr!“
Danach versammelte Imprimatur die Getreuen zu Krystallinen, bis im Christmond a. U. 85 — Christmond ist der Dezember — Verdunklung und Alarme auch das beendeten. Wenige Wochen später, am 27. Februar 1945, warfen 435 Bomber der Royal Air Force in sechzehn Minuten 1500 Tonnen Bomben auf Mainz. 1209 Menschen starben. Bei Kriegsende war die Stadt zu vier Fünfteln zerstört.
Die Gedenktafel von 2024 — ein Nachtrag zu 1937
Am 29. September 2024 wurde in der Gutenbergburg im Heilig-Geist-Spital eine Gedenktafel für die in der NS-Diktatur verfolgten jüdischen Mitglieder der Schlaraffia Moguntia angebracht. Den Gedenkakt richtete das Haus des Erinnerns Mainz gemeinsam mit der Stiftung Schlaraffia Moguntia aus.
Öffentlich dokumentiert sind Datum, Ort und Anlass. Namen, Zahlen und Einzelschicksale nennt die Ankündigung des Gedenkaktes nicht, und diese Seite nennt sie deshalb auch nicht. Dass die Tafel hängt, gehört hierher; was auf ihr steht, gehört dem Reych und dem Haus des Erinnerns.
1946 und 1950 — Wiedererweckung und Schlaraffentag
Herrlichkeit Imprimatur versammelte die Treuen wieder. Am 11. Wonnemond a. U. 87 — Wonnemond ist der Mai — wurde die Genehmigung zur Wiedererstehung erteilt, am 17. Wonnemond war die Gründungsversammlung. Das Reychsarchiv hält fest, dass Ritter Scarpia am 17. Wonnemond a. U. 87 die Genehmigung zum Sippen von den Besatzungsmächten erwirkte. Am 7. Lethemond folgte die 1561. Sippung, die erste nach der Uhufinsternis, und am 10. Christmond 1946 die Festsippung zur Wiedererweckung mit der Weihe der neuen Burg: der „Notburg“ im Keller des Turnvereins 1817, Schießgartenstraße 11.
Was danach kam, liest sich wie eine Aufzählung des Mangels: Altdeutsche Weinstube, Hotel „Pfeil“, ein Keller in einem Trümmergrundstück, nach dem nächsten Rheinhochwasser der Neubrunnenhof. Das Reych blühte trotzdem; Spenden eines Ritters aus der Baltimora halfen.
Auf der Maien-Tagung a. U. 90 war die Moguntia vermessen genug, den ersten Deutschen Schlaraffentag nach der Uhufinsternis in ihre Gemarkungen zu holen. Der Antrag wurde angenommen. Man rechnete mit 500 Besuchern; es kamen 1200.
Gefeiert wurde am 11. Brachmond 1950 im Rittersaal des Kurfürstlichen Schlosses — Brachmond ist der Juni. Dass das möglich war, war Glück: Das Schloss war im August 1942 nach einem Luftangriff zwei Tage lang ausgebrannt; der Nordflügel war gerade wieder so weit, dass 1950 dort auch die Fassenacht zurückkehrte. In Mainz wurde bei dieser Gelegenheit der Landesverband Schlaraffia Deutschland gegründet.
Die Gutenbergburg im Heilig-Geist-Spital — Einzug 1963, Auszug 2018, Rückkehr 2023

A. U. 102 rundeten sich zweitausend Sippungstage. Zwei Jahrungen später stand im Vademecum ein Satz, auf den das Reych lange gewartet hatte: „Moguntia hat endlich wieder eine eigene Burg.“ Die neue Adresse hieß Heilig-Geist, Rentengasse 2, Eingang Mailandsgasse, und am 17. Lethemond a. U. 104 — dem 17. Oktober 1963 — wurde die Gutenbergburg dem Schutze Uhus und Ahas anvertraut.
Das Gebäude ist das älteste, in dem ein Reych dieser Uhunetz-Flotte sippt. Das Heilig-Geist-Spital wurde 1236 unter Erzbischof Siegfried III. von Eppstein seiner Bestimmung übergeben und gilt als das älteste Bürgerhospital Deutschlands. Das Reych sippt im ersten Stock, im Rittersaal, der früher Wartburgsaal hieß; die Burg ist nach eigener Zählung die sechzehnte des Reyches und die vierzehnte Örtlichkeit. Das Haus und seine Geschichte auf der Burgenseite.
1987 ritten 66 Sassen aus 20 Reychen zur Weihe der neu gestalteten Burg ein. A. U. 149/150 öffnete die Moguntia zum ersten Mal zum Tag des offenen Denkmals; das Reychsarchiv datiert die Öffnung auf den 13. Herbstmond — den September — 2009 und nennt 350 bis 400 Besucher, die Chronik des Reyches etwa 300 Gäste; der Südwestrundfunk filmte. A. U. 154/155 feierte das Reych fünfzig Jahrungen Gutenbergburg.
Nach 55 Jahrungen kündigte der neue Eigentümer den Mietvertrag. Am 26. Ostermond a. U. 159 — dem 26. April 2018 — fand mit der 3722. Sippung die letzte in den Mauern von 1236 statt; Ostermond ist der April. Am 10. Brachmond nahmen Mogunten und Burgfrauen Abschied vom Rittersaal in der Mailandsgasse.
Die neue Burg lag im Keller des Leininger Hofs in der Kappelhofgasse — der Keller eines 1348 erstmals erwähnten Hofes, mit Kellerteilen aus der Zeit um 1500 und einer Barockfassade von 1730, ebenfalls denkmalgeschützt. Sie war viel kleiner als alles, was die Mogunten gewohnt waren; die anderthalbjährige Suche hatte größere Säle hervorgebracht, deren Miete das Reych nicht hätte tragen können. Man richtete den Gewölbekeller ein und blieb fünf Jahre.
Dann kam die Rückkehr. Am 25. April 2023 beschloss der profane Verein nach Verhandlungen mit den Eigentümern den Wiedereinzug; am nächsten Tag war der Mietvertrag unterschrieben. Über die Sommerung richteten Mogunten und Sassen befreundeter Reyche die Burg in mehr als tausend Arbeitsstunden her. Am 10. September 2023 öffnete sie zum Tag des offenen Denkmals; 400 Besucher sahen das Gebäude von 1236, und einige meldeten Interesse an, als Gast zu kommen. Am 5. Oktober 2023, nach 1988 Tagen, sippte die Moguntia wieder in ihrer Burg: 87 Sassen und ein Pilger, die feierliche Burgweihe, und als Liebesmahl „Weck, Worscht und Woi“.
Was die Jahrungen füllt
Die Zahlen. Die 1000. Sippung fiel in a. U. 61/62, unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg; Ritter Dingsda hielt fest, die langen Kriegsjahre hätten „den echten Moguntiageist nicht ersticken“ können. Die 2000. war a. U. 102, die 3000. am 19. Januar 1995 mit 38 Gästen aus 15 Reychen, die 3500. a. U. 151/152. Am 4. Christmond a. U. 116 — dem 4. Dezember 1975 — celebrierte das Reych in der Gutenbergburg eine Sippung „1000 Jahre Mainzer Dom“. Es war das Jahr, in dem die Stadt tausend Jahre seit der Grundsteinlegung durch Willigis beging.
Die Freundschaftskette. Schon die Sommerung a. U. 24 hatte die erste „combinierte Sippung der Mittelrhein-Reyche“ gebracht. Aus ihr wurde die Rhein-Main-Freundschaftssippung, um die Asciburgia, Wormatia, Wiesbadensia, Francofurta, Tarimundis und Moguntia in jeder Jahrung streiten — das Reychsarchiv nennt sie die älteste schlaraffische Gemeinschaftsveranstaltung der Region. Die alte Kette ging verloren; 1980 belebte die Moguntia das Turney wieder, und es wurde um eine neue gestritten. Das achtunddreißigste Turney fand 2012 statt, das neununddreißigste 2014.
Die Töchter und die Fehden. Nova Yorkia auf Long Island und Gedania in Danzig sind erloschen, Lympurgia in Limburg an der Lahn lebt. A. U. 147/148 feierte die Moguntia ihren Ritterschlag in Danzig, in der Stadt des verloschenen Tochterreyches; a. U. 150/151 erinnerte eine Sippung „Historia Moguntiae“ an beide Erloschene. Mit der eigenen Mutter hat man sich auch schon angelegt: Die Colonia Agrippina warf ihrer Tochter wegen einer pointierten Fechsung den Handschuh vor den Thron und erklärte die Reychsfehde. Die Moguntia nahm an.
Der Churfürst und der Brunch. Seit a. U. 108/109 hat das Reych einen Churfürsten; der erste war Ritter Luginsland, der zweite Ritter Jour, der 2006 gen Ahall ritt. Der Churfürst hält in jeder Jahrung Audienz, und um seinen Preis wird das Junkertafel-Turney gestritten. Seit a. U. 144 gibt es den „Brunch in der Burg“, von den Burgfrauen ausgerichtet, aus einer kleinen Konzertveranstaltung zu einer Matinee gewachsen.
Die Stiftung. Zum Jahreswechsel a. U. 150/151 gründete der Verein die Stiftung „Schlaraffia Moguntia hilft Künstlern in Ausbildung“. Ein Reych, dessen erste zwanzig Jahrungen zu zwei Dritteln aus Künstlern bestanden, fördert junge Künstler. Das schließt einen Kreis. Mehr über die Stiftung und den Mainzer Stadtmusiker.
Die Pandemie. Ab a. U. 161 fielen die Sippungen aus. Das Reych hielt sich mit Kristallinen per Videokonferenz und mit der Moguntia-Gazette zusammen, deren erste Nummer am 19. Lenzmond a. U. 161 erschien — Lenzmond ist der März. A. U. 161 wurde ein Treppenlift in die Burg eingebaut, zum Teil aus dem Nachlass eines Ritters, der die Spende vor seinem Tod verfügt hatte; eine Plakette am Lift erinnert an ihn.
Die Töchter der Moguntia



| Tochterreych | Ort | Stand |
|---|---|---|
| Nova Yorkia (69) | Long Island, New York | erloschen a. U. 129 |
| Gedania (71) | Danzig / Gdańsk | erloschen a. U. 85 |
| Lympurgia (322) | Limburg an der Lahn | lebt |
Die Gründungsdaten stehen hier bewusst nicht in der Tabelle, denn die Unterlagen nennen je Tochter mehrere. Für Nova Yorkia führt die Chronik den 3. Oktober 1884, die Reychstabelle den 17. Hartung a. U. 26 — Hartung ist der Januar. Für Gedania nennt die Chronik den 20. November 1884, die Tabelle den 16. Hornung a. U. 26; das Reychsarchiv bestätigt den 16. Hornung a. U. 26. Für Lympurgia ist die Jahrung a. U. 92 belegt — das Reychsarchiv datiert Sanktion und Gründungsfeyer der Colonie auf den 17. Windmond, den November, jener Jahrung; die Schreibung schwankt zwischen Lympurgia und Limpurgia.
Der Grund für die Mehrfachdatierungen liegt vermutlich darin, dass Coloniegründung, Sanktion und Erhebung zum Reych drei verschiedene Akte sind und in den Quellen nebeneinanderstehen. Welches der Daten welchen Akt bezeichnet, ist nicht geklärt. Bis das Reych es aus seinen Unterlagen entscheidet, steht hier kein einzelnes Datum als das richtige.
Zu allen drei Töchtern liegen im Reych ausführliche Infoblätter vor, verfasst von Sassen der Moguntia; sie sind über das Kontaktformular zu erfragen.
Moguntias Churfürsten
| Churfürst | Zeitraum |
|---|---|
| Rt Luginsland † | a. U. 108 bis 124 |
| Rt Jour † | bis a. U. 147 |
| der amtierende Churfürst | seit a. U. 149 |
Der Name des amtierenden Churfürsten steht, wie die Namen aller lebenden Sassen, nicht auf diesen Seiten.

Weiterlesen
- Die Reychs-Chronik a. U. 23 bis a. U. 164 — die Jahrung für Jahrung geführte Chronik des Reyches, mit Sippungszahlen, Themen und Zitaten
- Unsere Gutenbergburg — das Heilig-Geist-Spital von 1236 und der Leininger Hof
- Unsere Ehrenschlaraffen — von Johannes Gutenberg bis Carl Zuckmayer
- Pension Schöller — der erfolgreichste deutsche Schwank, geschrieben von zwei Mogunten
- Rt Negus der Daag- und Nachtdecker — Ernst Neger und die Moguntia
- Unsere Stiftung und der Mainzer Stadtmusiker
- Die Moguntia in der Presse
- schlaraffenfreunde.de — Schlaraffia für Neugierige erklärt
Die geschichtlichen Angaben dieser Seite sind im elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv belegt, überwiegend in den Jahrgängen der Deutschen Schlaraffen-Zeitung und in der Allschlaraffischen Chronik. Die Angaben zur Stadt Mainz sind mit öffentlichen Quellen belegt. Drei Punkte sind ausdrücklich offen: Der bürgerliche Name des Gründers wird in den Unterlagen als Hitziggath und als Hitzigrath geschrieben, und keine öffentliche Quelle stützt bisher eine der beiden Schreibungen. Der Nürnberger Bund „Die Ritter von der Pegnitz“ ist außerhalb der schlaraffischen Überlieferung nicht nachweisbar — hier steht nur, was die Chronik sagt. Und die Gründungsdaten der drei Töchter liegen, wie oben beschrieben, mehrfach vor. Wo eine Lesung unsicher ist, steht es im Text. Wer Unterlagen, Bilder oder Erinnerungen beitragen kann, möge sich bitte melden.
Geschichte der Schlaraffia
🦉 Schlaraffia in Zahlen: Gegründet 1859 · Über 200 Reyche weltweit · 5 Kontinente · Eine Sprache · Eine Gesinnung: Humor, Freundschaft und Kunst.
Die Wiege: Prag, 1859
Es begann mit einer Handvoll Künstler und Intellektueller im Prag des Jahres 1859. Schauspieler, Dichter, Maler – Menschen, die die Schwere der Zeit für einige Stunden ablegen wollten, um gemeinsam zu lachen, zu spielen und Freundschaft zu pflegen. Sie nannten ihre Runde schlicht: Schlaraffia.
Der Name war Programm: Das sagenhafte Schlaraffenland, jenes Land der Leichtigkeit und Freude, sollte für einige Stunden real werden. Kein Standesdenken, keine Hierarchie des Alltags – nur Spiel, Humor und Kunst.
Das Spiel breitet sich aus
Die Idee sprach sich schnell herum. Schon bald entstanden weitere Reyche in anderen Städten des deutschsprachigen Raums: Wien, Berlin, Hamburg, München. Mit der deutschen Auswanderungswelle im 19. und frühen 20. Jahrhundert wanderte die Schlaraffia mit in die Neue Welt.
New York, Buenos Aires, São Paulo – überall dort, wo deutschsprachige Einwanderer eine neue Heimat suchten, gründeten sie auch einen Schlaraffen-Reych. Das Band der gemeinsamen Sprache und des gemeinsamen Spiels hielt sie zusammen – über alle Entfernungen hinweg.
Schlaraffia überlebt die Stürme der Geschichte
Zwei Weltkriege, politische Umwälzungen, Verbote – Schlaraffia hat vieles überlebt. In Deutschland und Österreich wurde die Vereinstätigkeit in den Kriegsjahren eingeschränkt oder unterbunden. Doch kaum war Frieden, lebten die Reyche wieder auf. Dieser Überlebenswille ist kein Zufall: Wo echte Freundschaft herrscht, findet sie immer einen Weg.
Besonders bemerkenswert: Während in Europa manches Reych temporär pausierte, lebte die Schlaraffia in Übersee ungebrochen weiter. Die Allschlaraffia – der weltweite Dachverband – sorgte für Zusammenhalt und Kontinuität.
Die Allschlaraffia – weltweiter Zusammenschluss
Alle Schlaraffen-Reyche der Welt sind in der Allschlaraffia zusammengeschlossen. Dieser Dachverband regelt die gemeinsamen Spielregeln, vergibt Reychs-Nummern und stellt sicher, dass ein Schlaraffe aus Tokyo bei einer Sippung in Frankfurt sofort zuhause ist.
Die Allschlaraffia hält damit etwas aufrecht, das in der modernen Welt selten geworden ist: Eine Gemeinschaft, die auf Werten gründet – nicht auf Profit oder Networking. Humor, Freundschaft und Kunst sind keine leeren Worte, sondern gelebte Praxis bei jedem Treffen.
Teil unserer Geschichte werden?
Schreiben Sie das nächste Kapitel mit. Ein unverbindlicher Besuch genügt.
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