Manch einen Mainzer mag es erstaunen, aber die Burg der Schlaraffia Moguntia liegt in einem der ältesten und prominentesten Gebäude der Mainzer Altstadt: im Heilig-Geist-Spital von 1236, dem ältesten Bürgerhospital Deutschlands. Das Restaurant im Erdgeschoss kennt wohl jeder — von unserem Rittersaal im Obergeschoss wissen nur wenige. Die Mogunten haben hier 55 Jahrungen gesippt, sind 2018 ausgezogen und 2023 nach 1988 Tagen zurückgekehrt.
So finden Sie uns
Rentengasse 2, 55116 Mainz — im ersten Obergeschoss des „Heiliggeist“. Der Eingang liegt an der Ecke Mailandsgasse/Spitalgasse und ist am Gittertor mit dem Eulen-Motiv zu erkennen. Von dort führt eine Treppe in den ersten Stock; barrierefrei geht es per Treppenlift. Die nächste Parkmöglichkeit ist das Parkhaus „Rathaus“.
Dort treffen sich die Mainzer Schlaraffen jeden Donnerstagabend — allerdings nur von Anfang Oktober bis Ende April.
Das Haus — 1236 bis heute
Ja, Sie haben richtig gelesen: Das Gemäuer ist fast 800 Jahre alt. Das Heilig-Geist-Spital wurde 1236 unter Erzbischof Siegfried III. von Eppstein seiner Bestimmung übergeben und gilt als das älteste Bürgerhospital Deutschlands. Als Teil der historischen Mainzer Stadtmauer lag es einmal direkt am Rhein, bevor der Flusslauf verlegt wurde. 1244 kam es unter städtische Aufsicht.
Gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts wurde das Haus umgebaut; die romanischen Fenster wichen gotischen Maßwerkfenstern. 1861 versetzte man das rheinseitige Ostportal an den Dom, wo es heute noch steht.
1804 endete die Pflegeeinrichtung, und das Haus begann eine lange Reihe von Nebenrollen: Lagerhaus, Korrektionsanstalt, Turnhalle, ab 1863 Gastwirtschaft und in den fünfziger Jahren ein beliebtes Tanzlokal. 1945 brannte es schwer aus. 1975 wurde es grundlegend saniert, 1999 erneut renoviert. Es steht unter Denkmalschutz.
Im Erdgeschoss lag ursprünglich ein siebenschiffiger Gewölbesaal. Drei Schiffe sind erhalten, mit Kreuzgewölben von bis zu zwölf Metern Höhe — wer im Restaurant sitzt, sitzt darin.
Der Rittersaal, der Wartburgsaal hieß
Der Saal im ersten Obergeschoss trug lange den Namen Wartburgsaal. Seit die Mogunten ihn bespielen, ist er ihr Rittersaal. Seit der Gründung des Reyches ist das bereits die 16. Burg — und gleichzeitig erst die 14. Örtlichkeit: Die Mogunten sind 2023 in die Räume zurückgekehrt, in denen sie schon von 1963 bis 2018, also 55 Jahrungen lang, ansässig waren.
Einzug 1963
A. U. 102 rundeten sich zweitausend Sippungstage — noch immer ohne eigene Burg. Zwei Jahrungen später stand im Vademecum des Reyches der Satz, auf den man lange gewartet hatte: „Moguntia hat endlich wieder eine eigene Burg.“ Zum ersten Mal erschien die neue Adresse: Heilig-Geist, Rentengasse 2, Eingang Mailandsgasse.
Am 17. Lethemond a. U. 104 — dem 17. Oktober 1963 — wurde die Gutenbergburg dem Schutze Uhus und Ahas anvertraut. Den Namen trägt sie nach dem ersten Ehrenschlaraffen des Reyches: Johannes Gutenberg.
- 1987 — zur Weihe der neu gestalteten Burg ritten 66 Sassen aus 20 Reychen ein.
- A. U. 149/150 — die Burg öffnet zum ersten Mal zum Tag des offenen Denkmals. Das Reychsarchiv datiert die Öffnung auf den 13. Herbstmond — den September — 2009 und nennt 350 bis 400 Besucher, die Chronik des Reyches etwa 300 Gäste. Der Südwestrundfunk brachte einen Kurzbericht.
- A. U. 154/155 — fünfzig Jahrungen Gutenbergburg.
Auszug 2018 — und fünf Jahre Leininger Hof
Nach 55 Jahrungen kündigte der neue Eigentümer den Mietvertrag. Am 26. Ostermond a. U. 159 — dem 26. April 2018 — fand mit der 3722. Sippung die letzte in den Mauern von 1236 statt; Ostermond ist der April. Am 10. Brachmond — dem Juni — nahmen Mogunten und Burgfrauen in einem feierlichen Abend Abschied vom Rittersaal in der Mailandsgasse.
Die neue Burg lag gleich um die Ecke, im Keller des Leininger Hofs in der Kappelhofgasse. Auch dieses Haus ist ein Kulturdenkmal: Der Hof ist 1348 erstmals erwähnt, Teile des Kellers werden auf die Zeit um 1500 datiert, die Barockfassade stammt von 1730. Damit hat die Moguntia etwas, das kein anderes Reych dieser Uhunetz-Flotte hat: zwei denkmalgeschützte Häuser in einer Burgengeschichte.
Der Keller war viel kleiner als alles, was die Mogunten gewohnt waren. Die anderthalbjährige Suche hatte durchaus größere Säle hervorgebracht — nur hätte das Reych deren Miete nicht tragen können. Man richtete das Gewölbe gemütlich und stilvoll ein und blieb fünf Jahre. In dieser Zeit wurde auch der Treppenlift beschafft, der heute den barrierefreien Zugang sichert; er wurde zum Teil aus dem Nachlass eines Ritters finanziert, der die Spende vor seinem Tod verfügt hatte. Eine Plakette am Lift erinnert an ihn.
Rückkehr 2023 — nach 1988 Tagen
Am 25. April 2023 beschloss die Jahreshauptversammlung des profanen Vereins nach mehrmonatigen freundschaftlichen Verhandlungen mit den Eigentümern den Wiedereinzug in die Mailandsgasse. Bereits am nächsten Tag war der Mietvertrag unterschrieben.
Über die Sommerung richteten Mogunten und Sassen befreundeter Reyche die „neue alte Burg“ in mehr als tausend Arbeitsstunden her. Am 10. September 2023 öffnete sie zum Tag des offenen Denkmals; 400 Besucher sahen das Gebäude von 1236 und erfuhren zugleich einiges über das schlaraffische Spiel. Einige meldeten Interesse an, uns als Gast zu besuchen.
Am 5. Oktober 2023 war es dann soweit: Nach 1988 Tagen sippte die Moguntia wieder in ihrer Burg. 87 Sassen und ein Pilger waren dabei, als die feierliche Burgweihe vollzogen wurde. Als Liebesmahl gab es, was in Mainz dazu gehört: „Weck, Worscht und Woi“.
Ein barrierefreier Zugang zur Toilette steht derzeit leider nicht zur Verfügung — dorthin sind wenige Treppenstufen zu überwinden.
Wenn Sie uns einmal besuchen möchten, freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme. Wie ein Abend bei uns abläuft, steht unter Reinschnuppern. Die ganze Geschichte des Reyches steht unter Geschichte der Moguntia, die Jahrung für Jahrung geführte Reychs-Chronik daneben.
Die Angaben zum Gebäude folgen den öffentlichen Darstellungen zum Mainzer Heilig-Geist-Spital und zum Leininger Hof, die Angaben zum Reych der Chronik der Moguntia und dem elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv. Zwei Punkte sind nicht eindeutig: Zum ersten Tag des offenen Denkmals nennen Chronik und Reychsarchiv unterschiedliche Besucherzahlen — ob es ein Ereignis mit zwei Zählungen war oder zwei Öffnungen, ist nicht geklärt; beide Zahlen stehen deshalb oben. Und zur Zahl der Arbeitsstunden für die Herrichtung der Burg liegen verschiedene Angaben vor; hier steht die vom Reych selbst überlieferte. Wer Unterlagen oder Bilder zur Burgengeschichte beitragen kann, möge sich bitte melden.